Wir kennen diesen Moment selbst nur zu gut: Der Kalender ist voll, der Tag war anstrengend und der Kopf ist leer.
Instagram, Facebook und Google Business wollen gefüttert werden, selbst LinkedIn verlangt in einigen Fällen nach Sichtbarkeit und irgendwo hat mal wieder ein schlauer Kopf behauptet, man müsse dreimal die Woche Content kreieren, um relevant zu bleiben. Also macht man das, was sich im ersten Moment wie die ultimative Erlösung anfühlt: Ein schneller Prompt wird in ChatGPT gehackt und Sekunden später spuckt der Kollege in der Kiste ein paar fertige Absätze aus. Einmal kurz drübergeguckt (wenn überhaupt), Bild dran - am besten noch komplett gepromptet und bloß kein Foto nutzen, zack veröffentlichen. Keine Zweifel, kein Schwitzen, keine zehn Minuten echtes Nachdenken.
Es fühlt sich effizient an. Aber in Wahrheit ist es eine Falle.
Macht mal euren Feed auf. Egal ob ihr durch Insta, Facebook oder LinkedIn scrollt: Es schmeckt mittlerweile alles nach Pappe. Derselbe Textaufbau, dieselbe austauschbare Sprache und seelenlose KI-Plastikbilder, bei denen ich mir am liebsten die Netzhaut auskratzen würde. Es soll niemandem wehtun. Es eckt nirgends an. Aber es berührt am Ende schlicht niemanden.
Das Problem dabei ist nicht die Technologie. Oder dass du sie verwendest. Das Problem ist, dass viele Aufwand reduzieren mit Wirkung erzielen verwechseln. Wenn ein Post in drei Sekunden entsteht und null Cent kostet, dann ist sein Marktwert am Ende genau das: null. Das Gehirn hat längst gelernt, dieses digitale Grundrauschen im Bruchteil einer Sekunde wegzufiltern. Nicht weil die Grammatik falsch wäre – sondern weil man sofort merkt, dass da niemand saß, der diesen Gedanken wirklich gedacht, gefühlt oder durchlebt hat. Sieht vielleicht toll aus, holt aber niemanden ab.
Wenn alle es machen, ist es nur Rauschen.
Wir verstehen den Druck dahinter völlig. Gerade wenn man als Einzelkämpferin (mwd) oder kleines Team versucht, den Laden am Laufen zu halten, ist die Verlockung, das eigene Denken auszulagern, riesig. Man hat ohnehin zu wenig Zeit und vielleicht auch Angst, sich zu blamieren, unprofessionell zu wirken oder die falschen Worte zu wählen. Also flüchtet man sich in die Maschine, weil die so herrlich grammatikalisch formuliert.
Aber genau da liegt der Denkfehler: Ihr lasst euch maschinell das Einzige wegpolieren, was euch greifbar macht. Ud weshalb Menschen überhaupt bei euch kaufen würden.
Niemand bucht eine Dienstleistung oder folgt einer Marke, weil sie fehlerfreie Standardphrasen aus einem Sprachmodell zitiert. Menschen kaufen von Menschen. Sie kaufen Haltung, Macken, Kanten und Sympathie. Sie wollen wissen, wer da wirklich am anderen Ende sitzt, wie dieser Mensch tickt und ob er eine eigene Meinung hat, wenn es brennt.
Große Konzerne mit Millionenbudgets können es sich leisten, beliebig zu sein. Die ballern so viel Geld in ihre glatten Kampagnen, bis man sie trotzdem wahrnimmt. Aber wer als kleine Marke oder Inhaber denselben Brei produziert, schafft sich schlichtweg selbst ab. Ihr werft euren einzigen unfairen Wettbewerbsvorteil über Bord: euren eigenen Charakter.
Zehn Minuten, in denen man einen Gedanken ungeschönt aufschreibt – mit den eigenen Worten, den eigenen Zweifeln und der eigenen Sprache –, schlagen hundert noch so ausgefeilte Prompts. Ja, vielleicht ist das holpriger. Vielleicht gefällt es nicht jedem. Vielleicht schüttelt irgendein Marketing-Lehrbuch den Kopf.
Aber genau darum geht es. Wenn alle versuchen, perfekt zu sein, wird es banal – und das Rohe, Echte und Kantige plötzlich zum seltensten Gut im ganzen Feed.
Also hör auf, dich wegzuprompten. Sei anders. Besser als besser.